December 13, 2018

Mary Willis Walker, Der rote Schrei (Kriminalroman), Goldmann Verlag, München (1996, 2004)

Der Reter Schrei


Seit zehn Jahren sitzt Louie Bronk im Gefängnis, jetzt wartet er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Die Journalistin Molly Cates hat den Fall von Anfang an verfolgt und glaubt an die Schuld des Mörders, der alle Taten gestanden hat – bis auf eine: Die brutale Ermordung Tiny McFarlands hatte Bronk stets bestritten. Aber ausgerechnet für diese Tat wurde er zum Tode verurteilt. Als Molly die Sache erneut untersucht, entdeckt sie irritierende Ungereimtheiten und stößt auf ein paar dunkle Geheimnisse . . .
http://www.krimi-couch.de/krimis/mary-willis-walker-der-rote-schrei.html
http://www.krimi-couch.de/krimis/mary-willis-walker.html

„Molly Cates, Journalistin und Buchautorin, beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Fall von Louie Bronk, der kreuz und quer durch Texas fuhr und dabei Frauen vergewaltigte, ermordete und ihnen den Kopf rasierte. Nun sitzt er in der Todeszelle in Huntsville, alle Berufungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft, und der Termin für seine Hinrichtung durch die Giftspritze ist auch schon angesetzt. Sein prominentestes Opfer war Tiny McFarland, eine reiche Dame der Gesellschaft. Ihr Witwer Charlie McFarland hatte sich immer geweigert, mit Molly zusammenzuarbeiten. Plötzlich bestellt er sie zu sich und versucht, sie vom Schreiben eines Artikels über Louie Bronks Hinrichtung abzuhalten, angeblich weil seine labile Tochter Alison dieser weiteren Belastung nicht gewachsen ist. Als das nicht gelingt, bearbeitet er ihren Chef. Doch Molly lässt sich nicht davon abbringen.

Dann wird auch Charlie McFarlands zweite Frau getötet, und Louie Bronk widerruft sein Geständnis bezüglich Tiny McFarland. Die Behörden sind nicht gewillt, dem Glauben zu schenken. Sie halten das für “den roten Schrei”, den typischen Widerruf eines Todeskandidaten kurz vor der Hinrichtung. Bronk bittet Molly, sein ziemlich wackliges Alibi zu überprüfen, und sie lässt sich widerstrebend darauf ein, denn sein Widerruf macht sie zur Lügnerin und bedroht den Verkauf ihres Buchs. Doch wie sich herausstellt, ist das nicht das größte ihrer Probleme. Anonyme Briefe scheinen darauf hinzuweisen, dass ein Nachahmungstäter auch sie zur Zielscheibe machen will.

Molly Cates ist eine Frau in den Vierzigern mit einer erwachsenen Tochter und ein paar gescheiterten Ehen, die immer verzweifelt auf Schecks im Briefkasten wartet. Beruflich weiß sie aber genau was sie will und verbeißt sich in ihre Recherchen wie ein Pitbull. Eine Figur, von der man gerne noch mehr hören möchte.

Wie ein roter Faden zieht sich die Realität der Todesstrafe durch das Buch. Walker beschreibt die Zustände im Todestrakt von Huntsville in Texas, und ihr Todeskandidat ist ein typischer, arm, ungebildet, der sich von einer überarbeiteten Anwältin vertreten lassen muss, die Todeskandidaten aus Überzeugung unentgeltlich vertritt. Sie stellt aber auch das Dilemma glaubhaft dar, in dem sich selbst Gegner der Todesstrafe befinden. Obwohl Molly Cates die Todesstrafe ablehnt, gibt sie zu, dass sie sich besser fühlen wird, wenn ein Mann wie Louie Bronk nie wieder Frauen am Straßenrand auflauern kann.

DER ROTE SCHREI ist gut geschrieben und fesselt das Interesse. Ein Buch, dass den Zweck eines Krimis zur Zufriedenheit erfüllte und darüber hinaus auch noch zum Nachdenken anregte. Nur der Schluss ließ ein wenig zu wünschen übrig.“
Originaltitel: The Red Scream
Christina