June 24, 2019

Myla Goldberg, Nur ein Tropfen Glück (Wickett’s Remedy. Roman), Blessing Verlag, München (2006)

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„Wenn Myla Goldberg einen Roman vorlegt, kann man mit Außergewöhnlichem rechnen. Ihre ‚Buchstabenprinzessin’ war bereits ein großer Erfolg, ihr neues Werk ‚Nur ein Tropfen Glück’ wird von der amerikanischen Kritik sogar als ‚Quantensprung’ gefeiert.”

dpa


DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER SPANISCHEN GRIPPE

Boston, 1914. Lydia, Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft, lernt den Mann ihres Lebens kennen, einen unscheinbaren Medizinstudenten, der bezaubernde Briefe schreiben kann. Nach der Heirat macht er aus seinem Talent eine Profession. Zusammen mit einem dubiosen Heiltrunk, den Lydia zusammengebraut hat, verkauft er seine Briefe als Medizin. Doch kaum dass die Erfindung sich auszuzahlen beginnt, bricht die Spanische Grippe aus: Boston steht unter Quarantäne, Lydia wird Witwe und riskiert ihr Leben, um anderen zu helfen.

Henry Wickett ist ein Hypochonder, wie ihn nur reiche Elternhäuser hervorbringen, und als Liebhaber nur mäßig begabt. So erschöpft sich sein Beitrag zum Gelingen der Hochzeitsnacht im korrekten Zitieren lateinischer Fachbegriffe gewisser Körperregionen. Doch Lydias natürlicher Charme kuriert ihn. Bald lässt Henry sich von der patriotischen Aufwallung in Boston anstecken und will in den Krieg ziehen, doch wegen seiner schwächlichen Konstitution wird er ausgemustert. Den Großteil seiner Energie jedoch steckt er in seine »Heilbriefe« und in die Vermarktung des Getränkes, für dessen Vertrieb er einen tatendurstigen Kompagnon gewinnt.
Sein früher Tod kommt überraschend, und Lydia braucht eine Weile, bis sie merkt, dass Henry keinem gewöhnlichen Virus zum Opfer fiel, sondern der Spanischen Grippe, die durch die Straßen und Häuser von Neuengland fegt. Auch ihr Lieblingsbruder stirbt bei dieser Pandemie, und für Lydia bricht eine Welt zusammen. Aber aus Trauer und Verzweiflung schöpft sie auch Entschlossenheit, und so schaut sie nicht weg wie die anderen, sondern hilft und riskiert ihr Leben. Als Grippe und Krieg vorbei sind, steht Lydia vor einer neuen Herausforderung: sich von Henrys Kompagnon den ihr zustehenden Anteil an den Gewinnen aus dem »Heiltrunk« zu sichern. Ein vielstimmiger Roman, der auf minutiösen Recherchen beruht.


„Ich finde diesen Roman originell gebaut + sprachlich genau, die fugenlose Verbindung seiner Zeitebenen genial. Je länger man die anfangs noch eher berichtende Geschichte liest, desto mehr wird man hineingesogen in die Atmosphäre. Begabt!”

Ellen Pomikalko, Buchmarkt

http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=213001


„Ein interessanter Roman, in dem es Myla Goldberg zudem gelingt, Boston am Anfang des vergangenen Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Die Idee mit den Texten auf den Seitenrändern ist zwar thematisch sehr reizvoll, hat mich aber ehrlich gesagt doch etwas irritiert, einfach weil man dadurch immer wieder aus dem ‚normalen’ Lesefluss herausgerissen wird, sich aber z.B. auch nicht ‚traut’ sie einfach nicht zu lesen, weil man immer befürchtet, es könnte etwas drin stehen, das wichtig ist, um die Geschichte zu verstehen.“

Lisas Litblog, 14.05.2007, ***

http://www.litkara.de/litblog.php?id=102