October 22, 2017

Nina Sankovitch, Tolstoi und der lila Sessel (Tolstoy and the Purple Chair, Memoiren), Graf Verlag, München (2012, mit Susanne Höbel)

Sankovitch-Tolstoi

Eine Vielleserin erzählt von der heilsamen Kraft des Lesens.


What do readers owe to the translators of books? You know who I mean, the people who take books written in languages we cannot understand and give us back those same books, now available in words we can understand.

We owe thanks to the literary translators. Huge thanks. Through meticulous and exacting work, carried out in obscurity and often in utter anonymity, these magicians of language open the door to whole new book stacks of wonder; they gift us with new ways of experiencing an expanded world, and new avenues of sharing the human experience. Literary translators dismantle barriers of ignorance and allow us to enter at will into environments that are new in setting, landscape, and atmosphere, and yet familiar in the explored experiences of love, loyalty, duty, humor, deceit, betrayal, fear, despair, and resilience.

Can you imagine being tasked with translating James Joyce’s Ulysses into, say German or Mandarin? Or translating the fantastical situations of Gabriel Garcia Marquez from Spanish to Malayam? Garcia Marquez is one of the most popular writers in Kerala — because of the translators who have brought his works there, making them comprehensible and keeping them beautiful.

Translators are the ultimate globalizers: through reading translated works I come to know new corners and spaces of the occupied planet, and out of my growing knowledge comes greater empathy, appreciation, and resonance. My world becomes both larger, through expansion of my experiences, and smaller, through understanding my common and shared humanity. With borders broken down and empathy ignited, the potential for global unity grows. Readers are indebted to translators for breaking down borders and creating these possibilities of global unity.

And what do writers owe their translators? Gratitude, respect, and thanks. My book, Tolstoy and the Purple Chair is now available in a number of languages. I am grateful to all the translators who worked on my book for bringing it to a larger and larger audience; I am full of respect for my wonderful translators, for taking the time to recreate my prose in a way that honors my purpose of understanding grief and sorrow and joy through books; and I offer my heartfelt thanks to all the translators, including Susan Ridder (Dutch translator), Paulo Polzonoff (Portuguese); Anke Caroline Burger and Susanne Höbel (German), Kim Byung-Hwa (Korean), and Eleonora Cadelli (Italian), for creating the multiple bridges that connect one writer to many readers, allowing for a global conversation about an universal experience.

I have heard from people from all corners of the world in the past months, and I am blown away by their praise. And I know I must share that praise with the translators who made the reading of my book possible. Dank u! Obrigado! Vielen Dank! 감사합니다! Molte Grazie!

Nina Sankovitch, “Thanking the Translators”, Huffington Post, 03/26/2012


 

“Nina Sankovitch hat von Herbst 2008 bis 2009 ein Jahr lang jeden Tag ein Buch gelesen – Bedingung: Es sollte Literatur sein und nicht dicker als 2,5 Zentimeter – und über ihre Lektüren und die Erfahrungen als Marathonleserin unter ReadAllDay.org einen der erfolgreichsten amerikanischen Blogs geschrieben. Wie es dazu kam, erzählt die Ehefrau und Mutter von vier Jungen jetzt in einem eigenen Buch: „Tolstoi und der lila Sessel“. Denn es war nicht in erster Linie die Lust am Selbstversuch, sondern eine Form von Trauerarbeit: Ihre Schwester war kurz zuvor an Krebs gestorben, und auf ihrer existentiellen Suche nach Trost und Hoffnung erscheint ihr die Vertiefung in Literatur als ideale, vielleicht einzige Hilfe, ja Heilung. Davon, was es bedeutet, auf Literatur angewiesen zu sein, von den Einsichten, Gedanken und Gefühlen, die ihr die Lektüren vermitteln, handelt ihr Buch. …. ‘Das Jahr, in dem ich jeden Tag ein Buch las, war mein Jahr im Sanatorium’, erkennt sie am Ende. ‘Noch nie hatte ich so lange still gesessen und so viel erlebt.’  Auch wenn die meisten literarischen Mitteilungen im Dauerlauf daherkommen, lässt sich hier für Lesezirkel sicher manches Animierende finden. Wer es Nina Sankovitch aber im eigenen Lesesessel nachtun möchte, benötigt dazu aber weniger diese Anleitung als 365 richtige Bücher.”

Felicitas von Lovenberg FAZ, 18. 5. 2012


 Trost und Heilung im Lesen

Nina Sankovitch: “Tolstoi und der lila Sessel”, Aus dem Amerikanischen von Susanne Höbel und Anke Caroline Burger, Graf Verlag, München, 2012, 288 Seiten

Ihre älteste Schwester starb an Krebs. Ihr Tod stürzte die Autorin in einen Abgrund. Als Therapie las sie jeden Tag ein Buch: Ein Experiment und ein Exerzitium gegen die Trauer.”Tolstoi und der lila Sessel” erzählt von der heilenden Kraft des Lesens, altmodisch und überzeugend.

Nina Sankovitch kommt aus einer bücherbesessenen Familie. Als Kind liebte sie den örtlichen Bücherbus, stets wurde gelesen und über die Lektüre geredet. Noch am letzten Tag der Schwester hatte sie ihr Bücher mitgebracht. Sie erinnert sich an deren Liebe für bestimmte Krimiautoren, an gemeinsame Lektüren und die verbindende Überzeugung: “Jedes Buch kann dein Leben verändern”.

Dieses Motto steht über dem Lese-Experiment, das die verzweifelt Trauernde wagt: Jeden Tag ein Buch lesen, jeden Tag einen Text über die Lektüre ins Netz stellen. Die Bücher dürfen nicht dicker als 2,5 Zentimeter sein. Das ist das einzige Ausschlusskriterium. Ansonsten sind alle Genres erlaubt, es gibt keinen auferlegten Anspruch, keine Spur, die sie verfolgt. “Seit drei Jahren trug ich schwer an dem Wissen um den Tod meiner Schwester, und ich wusste, dass es kein Mittel gegen meine Trauer gab. Ich hoffte nicht auf Linderung. Ich wollte Antworten. Bücher würden die Frage beantworten, die mich quälte: warum ich es verdiente, zu leben. Und wie ich leben sollte. Mein Lesejahr sollte mein Ausweg zurück ins Leben werden.”

Manuela Reichert, Deutschlandradio Kultur, 09.03.2012