December 13, 2018

Roy Kesey, Pacazo (Pacazo, Roman), Residenz Verlag, St. Pölten (2014)

Pacazo_groß Pacazo_back Als Gringo in Peru

 

“Wenn du nicht mit dem Geschrei aufhörst, dann macht dir der Pacazo auf den Kopf”, kann man in Peru schon mal als sanfte Drohung an die Kleinkinder hören. Die Pacazos – eine bis zu zwei Meter große Leguan-Art, die wirklich gerne von den Bäumen runterscheißt – dürften über den Dingen stehen, und sich nicht über ihre Verballhornung in einem Sprichwort ärgern. Mit ihren unergründlichen Augen, dem Schuppenpanzer und den wie eine Reihe Sensen am Rückgrat herausstehenden Stacheln, braucht es keine Ahnung von Biologie, um zu erahnen, dass diese Art schon alles gesehen hat auf der Erde, zu allen Zeitaltern. Mehr als Held ‘John Segovia’ allemal, obgleich der US-Amerikaner, der an der Uni von Piura lehrt, der ältesten spanischen Stadt Perus, ein enzyklopädisches Wissen über seine Wahlheimat mit sich trägt. Vielleicht daher seine Verachtung für den Pacazo, “ein aus der Zeit gefallener Dämon, Schuppen und Fleisch gewordener Zufall, ein Gott, den niemand mehr verehrt”.

Franz Birkenhauer – sf magazin 09.07.2014