December 13, 2018

Tod Wodicka, Der amerikanische Ritter. (All Shall Be Well, And All Shall Be Well, And All Manner of Things Shall Be Well. Roman), Verlag Klett-Cotta, Stuttgart (2009)

Ritter_Cover


Ein Mittelalterfreak auf Reisen

„Einen schönen Mummenschanz setzt der amerikanische Schriftsteller Tod Wodicka in seinem Debütroman “Der amerikanische Ritter” in Szene. Mit beinahe Twainschem Sarkasmus lässt er seinen Erzähler, den verkrachten Geschichtslehrer Burt Hecker, zunächst von einer Reise in deutsche Lande berichten, wohin es ihn anlässlich des 900. Geburtstages der Mystikerin Hildegard von Bingen verschlägt.

… Dem 33-jährigen, in Berlin lebenden Tod Wodicka ist mit ‚Der amerikanische Ritter’ ein erstaunliches, eindringliches und ungemein intelligentes Debüt von einer faszinierenden sprachlichen Kraft gelungen, ein ergreifendes Plädoyer für das Loslassenmüssen, den Verzicht auf die Suche nach einer verlorenen Zeit, damit man einen neuen Anfang machen und weiterleben kann.“

Georg Schmidt, RADIOFEUILLETON:KRITIK, Deutschland Radio Kultur, 23.04.2009

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/953263/


„So ist das auch mit Burt Hecker, dem Protagonisten in Tod Wodickas Debütroman ‚Der amerikanische Ritter’. Hecker ist ein Mitsechziger aus dem Staate New York, dem die Gegenwart nichts, das Mittelalter dafür alles ist. So sehr, dass er tagsüber Wollkutten trägt, literweise Met bechert, in Rollenspielen der alten Zeit huldigt und schließlich nach Saufgelage mit Autoklau nach Deutschland auswandert, um den neunhundertsten Geburtstag der Äbtissin und Visionärin Hildegard von Bingen zu feiern. Zwischen Rüdesheim und Koblenz macht der Kauz im Sackleinernen, der sich als NEE definiert, als ‚Nicht der Epoche Entsprechend’, so seine Erfahrungen.“

Andreas Burkhardt, tip Berlin, 3.3. 2009


»Eine exzentrische Geschichte voller Humor und Mitgefühl.«
The Guardian

Die Geschichte eines großen Unzeitgemäßen und Met-Trinkers, der mit seinem Mittelalter-Tick bei allen, die ihn kennen, für viel Heiterkeit sorgt. Nur für die Familie ist sein exzentrisches Auftreten oft schwer mit dem Alltag zu vereinbaren. Die Reise nach Europa zum Hildegard-900-Treffen ist für Burt Hecker eine Chance, sich mit seinen Kindern zu versöhnen. Ein komisches, zuweilen tragisches Buch über den »Clash« zweier Zeiten. Und ein Roman über Deutschland und Europa aus der Sicht eines Amerikaners.

»Tod Wodickas “Der amerikanische Ritter” ist ein sehr gutes, sehr menschliches und auch ein sehr witziges Buch.«
(Hellweger Anzeiger, 01.04.2009)

http://www.klett-cotta.de/literatur_buecher_s.html?&tt_products=2256


52 Bücher in 52 Wochen

Wohin entflieht man am besten der Realität? “Der amerikanische Ritter” entscheidet sich für das Mittelalter. Mikael Krogerus liest den gleichnamigen Roman von Tod Wodicka

Seitenzahl: 298 Seiten.

Amazon-Verkaufsrang: 171.016.

Warum habe ich es gelesen?

Ich hatte letzte Woche von Fabio Stassi „Die letzte Partie“ begonnen. Ein furchtbar gut geschriebener, furchtbar ernstgemeinter Roman über den Schachgott José Capablanca. Werde ihn sicher eines Tages zu Ende lesen, aber als ich plötzlich die Möglichkeit erhielt, den US-Schriftsteller Tod Wodicka – so etwas wie die Antithese zu einem Schachgott – zu interviewen, warf ich „Die letzte Partie“ fort und griff nach seinen Roman „Der amerikanische Ritter“. Es ist Wodickas Erstling und ohne zuviel verraten zu wollen: ein Hammerbuch. …
Auf den letzten 150 Seiten braut er einen fürchterlichen Trank aus menschlichen Abgründen, quälendem Alkoholismus und richtig klugen Sätzen zum Unterstreichen. Ein Buch wie ein Glas zu viel. Es bereitet Kopfschmerzen, aber es macht auf eine merkwürdige Art glücklich. ”

Mikael Krogerus, Alltagslektüre, Der Freitag, 06.03.2009

http://www.freitag.de/alltag/0910-tod-wodicka-der-amerikanische-ritter


Der Freitag: „Ihr Buch handelt von einem, wenn man so will, Riesenbaby: Ein Mann, der nicht ohne andere funktionieren kann. Er ist 63, seine Frau ist an Krebs gestorben, seine Kinder hat er lange vernachlässigt und jetzt wollen sie nichts mehr von ihm wissen. In einer extremen Form von Eskapismus lebt er wie ein Mann aus dem Mittelalter. Ist das Ihre eigene Geschichte?

 

Wodicka: „Das Mittelalter nicht. Die Flucht ja. Schreiben ist auch Flucht. ­ Schreiben hat etwas sehr Krankes. Es macht mich unsozial und kaputt. Manchmal überkommt mich dieses klare Gefühl, dass die ganze kranke, traurige kleine Welt des Schreibens entlarvt wird: dieser pathologische Rückzug in ein Neuerfinden von sich selbst und von anderen. In diesen klaren Momenten scheint das alles zunächst peinlich oder lächerlich. Nach einer Weile ist es nur noch unheimlich.“

Mikael Krogerus, Interview mit Tod Wodicka in einer Neuköllner Kneipe,Der Freitag, 19.03.2009

http://www.freitag.de/alltag/0912-literatur-wodicka-interview-ritter


„… Nach kurzer Recherche über das Buch war aber ebenfalls klar: Das ist wahrscheinlich nicht nur ziemlich lesenswert, sondern auch ein interessanter Aufmacher. Am Ende stimmt beides: Das Buch ist erstklassig und lebt von einem tollen Humor, aber auch viel Beobachtungsgabe und Sinn für Gefühle, und ein längerer Artikel ist das Thema auch geworden – und zwar in der zitty (Ausgabe 5/2009). ”

Christian Endres, 25. 2. 2009

http://www.christianendres.de